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Deutsches Liederbuch aus Hollywood: Holger Falk und Steffen Schleiermacher präsentieren Teil 3 ihres Eisler-Lied-Projektes

Es wundert ihn, dass es als außergewöhnlich angesehen wird, sich der Kunst der Jetztzeit zu widmen. Holger Falk begegnet mit dieser Replik gern der ihm oft gestellten Frage, warum er denn seine begnadete Stimme vorrangig für Zeitgenössisches und nicht für das klassisch-romantische Repertoire einsetze. Falk hat sich schon vor Jahren ganz bewusst entschieden, die Musik von heute und die der jüngeren Vergangenheit zu seinem Schwerpunkt zu machen. Für einen der besten Liedkomponisten des 20. Jahrhunderts hält der Bariton Hanns Eisler, und so gewann er seinen Klavierpartner Steffen Schleiermacher: „Irgendwann habe ich zu ihm gesagt: Steffen, wir werden diesen Planeten nicht verlassen, bevor wir eine Eisler-Kompletteinspielung gemacht haben… Das liegt meiner Stimme super, und das ist Musik, die etwas zu sagen hat. Klartext.“

Sie wollen Eisler in den Fokus der Wahrnehmung rücken und zeigen, dass er sehr viel mehr zu bieten hat als nur die bekannteren politisch-plakativen sozialistischen Agitationslieder. Die Kritik ist sich einig, dass dem Duo das bereits mit den beiden ersten Teilen seiner Edition überzeugend gelungen ist: Teil 1 wurde 2017 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet, Teil 2 bekam von der Berliner Zeitung „staunenerregende Präzision“ in der Wiedergabe des breiten stilistischen Spektrums attestiert. Der nun erscheinende Teil 3 der Reihe befasst sich mit Eislers im amerikanischen Exil entstandenen Liedern.

1938 kam Eisler mit seiner Frau in New York an, nachdem ein Leben in Europa ihm zunehmend unmöglich erschien. Dank einer Einladung als Dozent an der „New School for Social Research“ in New York bekam er ein Einreisevisum für die USA – allerdings war dieses befristet, was ihn in ständiger Angst leben ließ, wieder ausgewiesen zu werden. Erst nach Jahren und mehreren erzwungenen Kurzaufenthalten in Mexiko gelang es ihm, ein dauerhaftes Visum zu erhalten. 1942 zog Eisler nach Santa Monica nahe Hollywood in Kalifornien um, unter anderem, um von der aufstrebenden Filmindustrie zu profitieren, von der er sich viele Kompositionsaufträge erwartete.

Obwohl er diese auch bekam, blieb genug Zeit für ein zunächst von ihm so genanntes „Hollywooder Liederbuch“, hauptsächlich komponiert zwischen Mai 1942 und September 1943. Später wollte Eisler den Titelzusatz wieder streichen und die Lieder auch nicht in einem inhaltlichen Zusammenhang oder einer festgelegten Reihenfolge als Zyklus sehen. Auch im Exil waren Texte von Bertold Brecht oft die Grundlage seiner Werke – schließlich traf er den ebenfalls emigrierten Freund in Kalifornien auch persönlich wieder. Im breiten Spektrum der Lieder dieser Zeit kommen aber ebenso Texte von Hölderlin, Pascal, Goethe, Eichendorff und Anakreon vor. Ein „roter Faden“ lässt sich auch musikalisch kaum ausmachen, doch spiegelt sich in den oft komprimiert-komplexen Kompositionen die Zerrissenheit der Exil-Situation, die Sehnsucht nach der Heimat und die Schwierigkeit der immer wieder unsicheren Lebensverhältnisse eines Exilanten wieder.
Für Holger Falk ist dieses Liederbuch gerade heute bedeutend: „Im Angesicht der sogenannten deutschen Flüchtlingskrise von heute haben diese Lieder eine ungeheure Aktualität – ‚Du hast dem Flüchtenden kühlenden Schatten geschenkt…‘ heißt es tief bewegt in Eislers Hölderlin-Fragmenten. Vor nicht allzu langer Zeit waren die engagiertesten und begabtesten deutschen Künstler Flüchtlinge. So wie Hanns Eisler. Wir wollen das nicht vergessen.“

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