Mehr über Quatuor Modigliani

CD-Veröffentlichung: Quatuor Modigliani spielt Schubert

Das Quatuor Modigliani hat für das Label mirare das Oktett für Klarinette, Horn, Fagott und Streicher in F-Dur, D 803 von Franz Schubert eingespielt und wird dabei unterstützt von Sabine Meyer (Klarinette), Bruno Schneider (Horn), Dag Jensen (Fagott) und Knut Erik Sundquist (Kontrabass). Diese CD kommt heute, am 24. April 2020, auf den Markt. Das Album wird, coronabedingt, zunächst ausschließlich digital verfügbar sein, z.B. bei Spotify, Deezer, Apple Music, Qobuz etc.

Das Oktett (1824) von Franz Schubert ist ein Meisterwerk, das zwischen symphonischer Musik und Kammermusik einzuordnen ist. Es war das Ergebnis schneller, „mit größtem Eifer“ verrichteter Arbeit, wie es sein Freund Moritz von Schwind formulierte. Das Werk, hell und gefällig, verströmt die archetypische Wiener Eleganz und lässt kaum den Geist eines von schwerer Krankheit geplagten jungen Mannes vermuten.
Schuberts Vorbild soll Beethovens Septett für Klarinette, Fagott, Horn, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass gewesen sein, dieser Besetzung fügte Schubert eine zweite Violine hinzu. Die Einzigartigkeit dieses Klangkosmos erlaubte es ihm, kontrastierende Klangfarben zu erforschen, ohne die Intimität der Kammermusik oder die brillante Virtuosität des Concertante aufzugeben.

Das Oktett unterscheidet sich jedoch von vornherein von seinem Vorbild und entstand in Schuberts künstlerischer Reifezeit. Wenn die Tonsprache des Septetts noch in der klassischen Epoche verwurzelt ist, so ist die des Oktetts unbestreitbar romantisch. Der Kopfsatz gehört zu Schuberts unendlich lyrischem Universum, in dem sich die Harmonien je nach Melodieverlauf ändern. Das Adagio (II) erstreckt sich wie ein ewig währender Gesang, in dem sich die „himmlische“ Klarinette nebst einer ausdrucksstarken Geige in die Höhen aufschwingt. Charakter und Farbe verändern sich auf unvorhersehbare Weise — vom Scherz bis zur Vorahnung in den Variationen (IV) und vom Surrealen hin zum Spektakulären im erstaunlichen Finale, dessen phantasievolle, von dramatischen Tremolos angedeutete Einleitung Wagners Opern schon vorwegnimmt. Wenn auch das Oktett die Illusion einer belanglosen Konformität zu vermitteln scheint, so erweckt das außergewöhnliche Genie seines visionären Verfassers eine poetische Sprache, in der sich Überschwang und Verzweiflung gegenüberstehen.