Sechs Fragen an zwei Klangpoeten: Vanessa Porter & Emil Kuyumcuyan

Vanessa Porter und Emil Kuyumcuyan erweitern Perkussion zu einem Gesamtkunstwerk aus Klang, Körper und Sprache. Als Duo sind sie die „durchlebte Kooperation zweier Klangpoeten innerhalb der Welt des klassischen Schlagzeugs und der Perkussion“ (rbb, radio 3)

Wir haben den beiden sechs Fragen gestellt. Beide haben und ihre Gedanken dazu geschickt:

Warum macht ihr das eigentlich?

Emil Kuyumcuyan: Weil Musik für mich etwas sehr Physisches ist – und weil ich sie liebe. Für mich ist Musik eine Art emotionale Teleportation: Sie kann einen sofort an einen anderen Ort bringen, innerlich.
Vanessa Porter: Weil es etwas sehr schönes ist gemeinsam neue Ideen zu entwickeln, kreativ zu sein, Dinge auszuprobieren und am Ende etwas auf die Bühne zu bringen, das es vorher noch nicht gab. Gerade im Duo ist für mich das Besondere, dass man nicht nur die Konzerte teilt, sondern den ganzen Weg dorthin: die Überlegungen, die Proben, die Reisen, die Zeit hinter der Bühne. Musik wird dadurch persönlicher, ehrlicher und irgendwie intensiver.

Bei welchem Musikerlebnis habt ihr zuletzt geweint?

Emil Kuyumcuyan: Bei einem pädagogisch-kommunalen Projekt mit Tanz, Gesang, Instrumenten und Bewegung. Es berührt mich sehr, wenn Familien, Kinder und Menschen aus ganz unterschiedlichen Hintergründen durch Musik zusammenkommen. Diese Verbindung zwischen Menschen, Körper und Klang war sehr besonders.
Vanessa Porter: Sehr berührt hat mich, als in Tansania ein traditionelles Massai-Dorf für uns gesungen hat. So eine Ehrlichkeit und Reinheit habe ich lange nicht mehr erlebt.

Welche zwei Musikstücke würdet ihr jemandem empfehlen, der oder die sich überhaupt nicht mit klassischer Musik auskennt?

Emil Kuyumcuyan: Igor Strawinsky – Le Sacre du Printemps und Steve Reich – Music for 18 Musicians.
Vanessa Porter: Schumann – Kinderszenen und Xenakis.

Was nervt euch am Klassik(Musik)betrieb?

Emil Kuyumcuyan: Eigentlich nichts Grundsätzliches. Ich mag viele alte Codes und Rituale, aber sie dürfen nicht zu steif oder konservativ werden. Gleichzeitig brauchen wir echte Innovation, musikalische Frische und neue Herangehensweisen – und nicht nur die Idee, Konzerte in alte Fabriken zu verlegen.
Vanessa Porter: Dass der Klassikbetrieb oft sehr hierarchisch und traditionsgebunden ist. Dadurch dauert es manchmal lange, bis neue Ideen oder Formate wirklich ihren Platz finden. Manchmal wünsche ich mir etwas mehr Mut bei den Menschen, die die Entscheidungen treffen.

Auf welches Konzertritual könnt ihr absolut nicht verzichten?

Emil Kuyumcuyan: Auf den Applaus.
Vanessa Porter: Direkt vor dem Konzert für ein paar Minuten alleine sein.

Was schätzt du an deinem Duokollegen?

Emil Kuyumcuyan: Offenheit, Zuverlässigkeit und Geschmack.
Vanessa Porter: Vertrauen, Kreativität und Explosion.