Sechs Fragen an Äneas Humm | Sechs Antworten

Der Schweizer Bariton widmet sich mit großer Leidenschaft der Oper und dem Liedrepertoire sowie seinen Gästen im eigenen Podcast „Klassik Doppio“. Wir haben Äneas Humm sechs Fragen gestellt.

Vier Antworten haben wir uns gewünscht, aber viel mehr bekommen:

Warum machst du das eigentlich?

Äneas Humm: Wenn jemand aus dem Publikum zu mir kommt und sagt, es kamen die Tränen, weil die Musik so bewegend war – dann habe ich den Grund, für das grosse WARUM. Dieser Beruf bringt so viele Nachteile: man diktiert sein ganzes Leben nach der Stimme, nach dem Konzertkalender. Aber wenn man merkt, die Menschen werden bewegt: versteht man wieder, Warum.

Welche zwei Musikstücke würdest Du jemandem empfehlen, der oder die sich überhaupt nicht mit klassischer Musik auskennt?

Äneas Humm: Das mag vielleicht Cliché haft klingen: Mozarts Eine kleine Nachtmusik und Schubert´s Unvollendete Symphonie sind perfekte Werke um einzusteigen in die Klassik Welt. Sie sind voller Frische.

Bei welchem Musikerlebnis hast Du zuletzt geweint? Warst innerlich ergriffen?

Äneas Humm: Wegen Musik weine ich sehr regelmässig, besonders wenn ich in einem Konzert sitze und einfach geniessen darf. Besonders erinnere ich mich an das erste Mal als ich wegen Musik geweint habe:  Ich war auf der Beerdigung meiner Tante Kuki Ruppenthal in Budapest. Sie war ein grosser Sting Fan, und so lief über den ganzen Friedhof verteilt seine Musik. Das Lied „shape of my heart“ – kann ich seither kaum hören. Sie war eine einzigartige Person, und ich verbinde dieses Lied für immer mit ihr.

Was nervt Dich am Klassik(Musik)betrieb?

Äneas Humm: Klassik Weichspüler. Das ist mein Begriff für die Programm Auswahl in vielen Klassik Sendungen im TV. Dort werden dem Publikum immer dieselben Werke präsentiert. Beethoven Fünf, Zauberflöte, Traviata und wenn wir mal sehr mutig sind, vielleicht einen Richard Strauss, aber MAXIMAL einen Ausschnitt. Trauen wir uns denn so wenig zu? Was würden Mahler, Puccini oder Bach sagen, wenn sie sähen, was wir für Mittel haben heute, und wie wenig wir davon Gebrauch machen?

Auf welches Konzertritual kannst Du absolut nicht verzichten?

Äneas Humm: Nachmittags benötige ich meine Ruhe. Wenn meiner Siesta und dem Kaffee danach etwas im Wege steht, bin ich sehr unausgeglichen und fühle mich nicht im Stande den Abend gut durch zu halten. Diese Ruhe braucht auch ein Ski Renn Fahrer. Die fahren die Strecke im Kopf jeweils durch, ehe sie sich den Berg hinabstürzen. Diese Art Fokus probiere ich in meine Arbeit mitzunehmen.

Welche Eigenschaft von dir wird oft falsch eingeschätzt?

Äneas Humm: Die Arbeit hört nie auf – es gibt Abende, wo ich bis 02.00 an einer Partitur sitze, die Probe höre und überlege, was ich besser machen kann. Dann schreibe ich zu später Stunde meinen Mitstreitern, und das kommt nicht immer gut an. Dann denke ich aber auch: schaltet eure Handys doch auf stumm in der Nacht…