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Cappella Aquileia setzt Aufnahmeprojekt mit zweiter Beethoven-Einspielung fort

Der literarische Beethoven – Musiken für das Theater Vol. 1

Im Mittelpunkt der zweiten Zusammenarbeit von cpo mit der Cappella Aquileia und Marcus Bosch zum Beethovenjahr steht die Gesamteinspielung seiner Schauspielmusik „Die Ruinen von Athen“, die Beethoven zur Eröffnung des neuerbauten Theaters in Pest (Budapest) 1812 komponierte: Ein Gelegenheitswerk auf einen Text des damals populären Schriftstellers August von Kotzebue. Wer dieses Werk heute aufführt, steht vor einem Dilemma: Spielt man Beethovens Musik ohne den gesprochenen Text, dann reduziert man ein Werk, in dem Sprache und Musik eng miteinander verbunden sind, auf eine beliebige Folge von musikalischen Nummern. Spielt man »Die Ruinen von Athen« dagegen mit Kotzebues Text, dann konfrontiert man den Zuhörer mit einer politischen Metaphorik, die bei heutigen Zuhörern ohne Erklärung zumindest Kopfschütteln auslösen dürfte. In einer Neufassung hat Kai Weßler versucht, die für Beethoven wichtige Idee eines klassisch-humanistischen Erbes, das Pallas Athene verkörpert, zu aktualisieren und von der tagespolitischen Bedeutung (und dem ungarischen Nationalismus) zu befreien. Ziel war es einerseits, »Die Ruinen von Athen« in der Entstehungszeit mit ihren gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen zu verorten, und anderseits, die Symbolik des Stückes (Athen als Wiege der europäischen Zivilisation usw.) neu zum Klingen zu bringen. Um eine Sprache zu finden, die dem Pathos von Beethovens Musik standhält, hat er Fragmente von Gedichten Friedrich Schillers collagenartig eingebaut. Dass Beethoven Schiller nicht nur als Dichter schätzte, sondern auch dessen Idee teilte, dass Kunst dazu da ist, als »moralische Anstalt« die Welt zu verändern (statt nur die Mächtigen zu unterhalten), muss man wohl kaum betonen. Dass der ungarische Nationalismus des Schlusses dabei ausgerechnet von einem Text aus Schillers Ode »An die Freude«, aus dem auch die Europahymne stammt, ersetzt wird, ist eine ironische Pointe am Rande, die Beethoven sicher verstanden hätte.

Im Jahr 2018 startete die Cappella Aquileia in Zusammenarbeit mit der Geigerin Lena Neudauer und dem Label cpo das mehrjähriges Konzert- und Aufnahmeprojekt mit Ludwig van Beethovens Schauspielmusiken und Romanzen sowie seinem einzigen Violinkonzert. Diese erste Einspielung stieß auf positive Resonanz national sowie international: „Dieser Beethoven ist eine Sternstunde und mit dem Prädikat wertvoll unbedingt zu empfehlen.“ (Luxemburger Tagblatt), erhielt den Supersonic Award von pizzicato sowie einen Platz auf der Longlist des Preises der deutschen Schallplattenkritik. Der Deutschlandfunk lobte vor allem die „kammermusikalische Balance und Transparenz“ und „prägnante Phrasierung“.

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